An Education - Filmkritik
| Land (Jahr): | Grossbritannien (2009) |
| Genre: | Drama |
| Filmlänge: | 100min |
| Regie: | Lone Scherfig |
| Kinostart: | 25.02.2010 |
| 24.02.2010 (Romandie) | |
| Drehbuch: | Lynn Barber |
Die Verlockungen des reifen Lebens
Eine 17-jährige Schülerin entdeckt anfangs der 1960er die Verlockungen der grossen Welt. Der Schriftsteller Nick Hornby dramatisierte die Memoiren der englischen Journalistin Lynn Barber; die Dänin Lone Scherfig («Italian For Beginners») hat sie einfühlsam und stilsicher verfilmt.
Jenny (Carey Mulligan) wächst 1961 in einer eintönigen Vorstadt Londons auf. Ihr konservativer Vater Jack (Alfred Molina) finanziert ihr das Studium in Oxford, wo sie vielleicht einen vermögenden Ehemann treffen oder später zumindest als Lehrerin oder in einer Verwaltung versorgt sein wird. Doch zuvor lernt die fleissige Schülerin den weltgewandten Mittdreissiger David (Peter Sarsgaard) kennen, der sie durch seine lockere Art und die Vertrautheit mit Kultur verführt. Jenny steht vor der Wahl zwischen Bildung und Freiheit.
Die beiden herausragenden Bestandteile des Films sind das Drehbuch von Nick Hornby und die Hauptdarstellerin Carey Mulligan. Elegant und leichtfüssig treibt Hornby die Handlung voran, ohne dabei gross in die Klischees der nicht ganz statthaften Beziehung abzusinken. Das ist nicht nur Hornbys Verdienst, sondern eben auch der Mulligans, die zwar manchmal zerbrechlich und naiv wirkt, dann aber auch wieder ganz selbstbewusst ihre Ansichten vertreten kann.
Auch Peter Sarsgaard trägt dazu bei, dass seine Figur nicht einfach als alter Lüstling erscheint. Obschon seine Motive nicht ehrenhaft sind, nähert er sich anständig und zurückhaltend der entdeckungshungrigen Jugendlichen und erweist sich vor allem gegenüber ihrem Vater als charmanter Schmeichler. Alfred Molina erhält die saftigsten Dialogzeilen, die ihn als leicht ignoranten, aber dennoch wohlwollenden Vater darstellen.
Die köstlichen Einsichten des Vaters sind dann auch hauptsächlich für den Humor in der Geschichte verantwortlich. Für die Emotionen sorgt Jenny mit ihrem unbändigen Verlangen nach Freiheit. Hornby und der dänischen Regisseurin Lone Scherfig gelingt es vorzüglich, die delikate Balance zwischen diesen beiden Polen zu finden und einen stimmungsvollen Eindruck vom Lebensgefühl zwischen steifem Bürgertum und verlockendem Aufbruch zu vermitteln. [Thomas Hunziker]
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