The Golden Compass - Filmkritik
| Aka Titel: | Der goldene Kompass |
| Land (Jahr): | Grossbritannien, USA (2007) |
| Genre: | Action, Adventure, Drama, Fantasy, Thriller |
| Filmlänge: | 113min |
| Regie: | Chris Weitz |
| Kinostart: | 06.12.2007 |
| 05.12.2007 (Romandie) | |
| Drehbuch: | Chris Weitz |
Von Dæmonen und Polarbären
Seit dem Erfolg der «Lord of the Rings»-Trilogie und den «Harry Potter»-Verfilmungen haben Fantasyromane in Hollywood Hochkonjunktur. In der Grossproduktion «The Golden Compass» muss nun ein Mädchen das Abenteuer seines Lebens durchstehen.
Der Roman «The Golden Compass», in Grossbritannien als «Northern Lights» veröffentlicht, ist der erste Teil der Trilogie «His Dark Materials» des britischen Schriftstellers Philip Pullman. Seine Welt existiert parallel zu anderen Welten. Die Seelen der Menschen leben als Begleiter in Tiergestalt, die Dæmonen genannt werden. Die zentrale Verwaltung dieser Welt wird vom Magisterium ausgeübt, das verzweifelt versucht, den Einfluss der Wissenschaft auf das Leben der Bürger einzuschränken. Um den freien Willen zu besiegen, sind den Herrschern des Magisteriums alle Mittel recht.
Hauptfigur der Trilogie ist das 12-jährige Mädchen Lyra (Dakota Blue Richards), das unter der Obhut ihres Onkels Lord Asriel (Daniel Craig) am Jordan College in Oxford aufwächst. Als sie beobachtet, wie ein Gesandter des Magisteriums versucht, ihren Onkel zu vergiften, wird sie in eine Handlung hineingerissen, die sie schliesslich bis nach Svalbard in die Gegenden des Nordpols vordringen lässt. Dort haben die Panzerbjørne, sprechende Eisbären ihr Reich, und die Regierung betreibt eine fürchterliche Forschungsanstalt, in der an entführten Kindern experimentiert wird.
«The Golden Compass» ist das neue Fantasy-Projekt des Studios New Line Cinema, das schon für «The Lord of the Rings» verantwortlich war. Die ganze Trilogie wird dieses Mal aber nur verfilmt, wenn der erste Teil das investierte Geld auch wieder einspielt. Daher haben sich die Produzenten bemüht, eine möglichst zugkräftige Besetzung zusammenzustellen. So sind neben Daniel Craig auch noch Nicole Kidman als Marisa Coulter, eine mysteriöse Agentin des Magisteriums, Sam Elliott als wagemutiger Luftfahrer, Eva Green als Hexe Serafina Pekkala sowie Derek Jacobi und Christopher Lee als dunkle Anführer des Magisteriums zu sehen. Zudem leiht Ian McKellen seine donnernde Stimme dem Eisbären Iorek Byrnison.
Bei dieser Anhäufung von Stars ist es nicht weiter verwunderlich, dass die einzelnen Figuren in diesem knapp zweistündigen Epos nicht viel Raum auf der Leinwand erhalten, zumal die Figur des Mädchens im Zentrum steht. Die Jungschauspielerin Dakota Blue Richards ist ihrer Aufgabe als Identifikationsfigur zum Glück mehr als gewachsen. Sie verleiht dem jungen Mädchen eine gewitzte Natürlichkeit und verblasst auch nicht vor den aufwändigen visuellen Effekten.
Unter die Räder der Spezialeffekte kommt allerdings ein wenig die Handlung, die vor allem im zweiten Teil ziemlich mechanisch vorangetrieben wird. Das über 400 Seiten dicke Buch musste für die Verfilmung vermutlich stark verdichtet werden, und so entsteht bald einmal der Eindruck, als ob einfach noch schnell die wichtigsten Handlungselemente abgehandelt werden müssen. Wer sich in der faszinierenden Welt von Pullman nicht auskennt, kann hier schnell den Überblick verlieren.
Regisseur und Drehbuchautor Chris Weitz gelingt es aber trotzdem, den Film mit einer stimmungsvollen Atmosphäre auszustatten. Auch den Figuren haucht er ausreichend Leben ein, obschon sie teilweise recht lange von der Leinwand verschwinden. Und wer weiss: Wenn der Film ein Erfolg werden sollte, werden die fehlenden Szenen vielleicht noch wie bei «The Lord of the Rings» in einer «Extended Edition» nachgeliefert. So oder so strahlt die von Philip Pullman entworfene und von Chris Weitz visualisierte Welt einen magischen Reiz aus. [Thomas Hunziker]
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