Hairspray - Filmkritik
| Land (Jahr): | USA (2007) |
| Genre: | Comedy, Drama, Musical |
| Filmlänge: | 117min |
| Regie: | Adam Shankman |
| Kinostart: | 06.09.2007 |
| 22.08.2007 (Romandie) | |
| Drehbuch: | Thomas Meehan |
Ein Wirbelwind mit Gewicht
In Adam Shankmans rassigem Remake des Films und Musicals «Hairspray» von John Waters ist die mollige Nikki Blonsky als Tracy eine Wuchtbrumme, während Tanzbeau John Travolta als fette Mama nur peinlich ist. Eine Teenager-Tanz-Action-Romanze mit viel Sixties-Kitsch.
Da kann kommen, was will: Tracy Turnblad (Nikki Blonsky) ist der grösste Fan der «Corny Collins Show» und verpasst zusammen mit ihrer Freundin Penny keine dieser hippen TV-Dance-Partys am Bildschirm. Ihr grösster Wunsch: Einmal in Collins' Musikshow aufzutreten. Die mollige, aber temperamentvolle und bewegliche Tracy hat es schwer bei ihrer Figur, in dieser Glitterrevue zu landen. Und doch kann sie bei Link Larkin (Zac Efron) Sympathiepunkte holen. Nur dumm, dass der mit der Teenagerfavoritin Amber Von Tussle (Brittany Snow) verbandelt ist. Und die hat eine starke Mutter als Supporterin zur Seite, die TV-Produzentin Velma (Michelle Pfeiffer). Beide wollen ums Verrecken die begehrte Krone «Miss Teenager Hairspray» in Baltimore einheimsen. Die kecke Tracy, bestärkt durch ihren schrägen Vater (Christopher Walken), den Gaghändler Wilbur, lässt nicht locker.
Sie nimmt den Kampf auf - nicht nur auf dem TV-Tanzboden gegen das arrogante Blondchen Amber, sondern auch gegen Rassendiskriminierung. Tracy verbündet sich mit farbigen Kids und überzeugt durch ihre packende Art auch Motormouth Maybelle (Queen Latifah). Der mollige Wirbelwind marschiert gar bei einem Protestmarsch gegen Rassenvorurteile und für Rassenintegration mit. Das will etwas heissen in den Sixties. Was dann folgt, kann sich jeder denken: Verfolgung, Verstecken, Tarnen, Täuschen, das grosse Tanzfinale im TV-Studio und Tracys rasante Einlagen.
Eine Figur muss erwähnt werden, um die viel Aufhebens gemacht wird und die doch nur einen lächerlichen Eindruck hinterlässt: der frühere Tanzbeau John Travolta («Saturday Night Fever») als dicke Mama Edna. Er ist sich nicht zu schade, sich als aufgeblähte Wurst auf zwei Beinen zu produzieren. Das unförmige Wesen, aufgeplustert und maskiert bis zur Unerträglichkeit, ist die Peinlichkeit des ansonsten rassigen Musikfilms mit gut gemeinter Botschaft. Da denkt man mit Sehnsucht an Divine zurück, die seinerzeit (1988) Tracys Mutter Edna mimte.
John Waters' Kultfilm «Hairspray», der dann zum Erfolgsmusical mutierte, ist von Adam Shankman (Regie, Choreografie) fulminant aufgemotzt worden und wird nicht nur ältere Semester amüsieren (vom Fehlgriff Travoltas einmal abgesehen). Die Haartollen türmen sich, die Tanzbeine wirbeln, und der Sound ist perfekt. Eine rassige Tanz- und Gesangsrevue, die einen neuen Star gebärt: Nikki Blonsky ist als Tracy eine Wucht. Sie singt und tanzt sich die Seele aus dem Leib und lässt so manche Beauty alt aussehen. [Rolf Breiner]
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