Lemony Snicket's A Series of Unfortunate Events - Filmkritik
| Aka Titel: | Lemony Snicket: Rätselhafte Ereignisse |
| Land (Jahr): | Deutschland, USA (2004) |
| Genre: | Adventure, Comedy, Fantasy |
| Filmlänge: | 108min |
| Regie: | Brad Silberling |
| Kinostart: | 27.01.2005 |
| 02.02.2005 (Romandie) | |
| Drehbuch: | Daniel Handler |
Zart-Düster
Düster, anachronistisch und nicht immer familientauglich hat die Adaption der Lemony Snicket's Kinderbücher ungeahnt zarte Momente. Ein Umstand, der nicht zuletzt Brad Silberlings Regie zu verdanken ist, die das emotionale Fundament des Märchens mit Jim Carreys hyperaktivem Spiel verbindet.
Klaus (Liam Aiken) und Violet (Emily Browning) Beaudelaire werden nach dem Tod ihrer Eltern zu Waisen. In einer zusammenfantasierten Welt, die zwischen der Romantik des neunzehnten Jahrhunderts, den fünfziger Jahren und der Gegenwart pendelt, werden die Beaudelaire's in die Obhut des sadistischen und völlig narzisstischen Grafen Olaf (Jim Carrey) gegeben. Ein Ausbund an Exzentrik macht Olaf keinen Hehl daraus, dass die Kinder seine Sklaven und ihr Erbe sein Besitz ist. Mit Erfindungsgeist und Wissen vermögen sich die Kinder jedoch stets aufs Neue aus den titelgebenden unglücklichen Geschehnissen zu befreien, und begegnen auf der Flucht vor dem Grafen ihrem reptilienliebenden Onkel Monty (Bill Connolly) und der panischen Tante Josephine (Meryl Streep).
Die verschiedenen Szenenwechsel geben dem Film einen stark episodischen Charakter und bringen den Fluss der Geschichte gelegentlich ins stocken. Gleichzeitig baut Silberling zusammen mit Drehbuchautor Robert Gordon die Welten und das Mysterium um die verstorbenen Eltern sorgfältig genug auf, dass ein Spannungsbogen gewahrt wird. Die hervorragend ausgestatteten Studiowelten von Rick Heinrichs und die Kameraarbeit des Mexikaners Emmanuel Lubezki bringen den skurrilen Mix aus historischem Märchen und neuzeitlichem Wahnsinn zum Leben. Ein ideales Forum für Carrey's Improvisationskünste, die er nach seiner zurückhaltenden und wohl besten Leistung in «Eternal Sunshine of the Spotless Mind» hier wieder entfalten darf. Das idiotische Ekelpaket, welches man mit Freuden leiden sieht, füllt Carrey wie kaum ein anderer aus. Seine Scharaden borden teilweise fast über, werden aber glücklicherweise durch die ideal besetzten Kinder wieder aufgefangen.
Silberling führt den Stoff auf dem schmalen Grat zwischen Düsternis und Hoffnung sicher ans Ende. Nach «Moonlight Mile», seinem sehr gelungenen aber auch unbeachteten Werk, wendet er sich hier wie schon bei «Casper» und «City of Angels» der etwas leichteren Kost zu. Zynismus, Melancholie und Verzweiflung werden als Sprungbrett für eine berührende Geschichte über Verlust und neugefundene Hoffnung gebraucht, was diese Serie von sehr unglücklichen Ereignissen zu einer humorvollen und sehr herzlichen Reise in die Welt der Kinderträume macht. Wo die Fantasie dem Egoismus trotzt, und die Wahrheit stets triumphieren wird. [Serge Zehnder]
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