Julianne Moore (* 3. Dezember 1960 in Fayetteville, North Carolina als Julie Anne Smith) ist eine US-amerikanische Schauspielerin. Seit Mitte der 1980er Jahre trat sie in mehr als 60 Film- und Fernsehproduktionen - sowohl Dramen, als auch Komödien - in Erscheinung. Für ihre Darstellung vorwiegend schwermütiger Frauenfiguren im Kino wurde sie bisher mit vier Oscar-Nominierungen gewürdigt.
Biographie
Kindheit und Ausbildung
Julianne Moore wurde als Julie Anne Smith in Fayetteville im Südosten North Carolinas geboren. Ihre aus Schottland stammende Mutter war Sozialarbeiterin, ihr Vater Militärrichter. Da der Vater für die United States Army arbeitete, musste die Familie häufig umziehen. Als Kind wurde sie oft gehänselt wegen der roten Haare und der Sommersprossen und wegen ihrer Brille gemieden. Auch war sie als Kind und Jugendliche sportlich nicht sehr begabt. Sie lernte erst mit 26 Jahren Schwimmen, mit 27 machte sie den Führerschein. 1979 machte sie ihren Abschluss an der American High School in Frankfurt am Main. Das College of Fine Arts der Boston University schloss sie vier Jahre später mit dem Bachelor ab.
Nach ihrem Studium ging sie nach New York, wo sie ihren Namen in Julianne Moore änderte: Als sie sich bei der Screen Actors Guild eintragen lassen wollte, musste sie feststellen, dass sämtliche Variationen ihres Namens bereits vergeben waren. Also fasste sie ihre beiden Vornamen zusammen und gab den zweiten Namen ihres Vaters als Nachnamen an.
Beginn der Schauspielkarriere
Kurze Zeit später war sie in einer Reihe von späten Off-Broadway-Stücken zu sehen. Sie verdiente sich ihren Lebensunterhalt als Kellnerin, während sie eine erste Rolle in der Seifenoper The Edge of Night erhielt. Dem kurzen Auftritt als Schweizerin folgte eine dreijährige Rolle in der Serie As the World Turns, für die Moore mit einem Emmy ausgezeichnet wurde.
Nach einer Reihe von Fernsehfilmen machte Moore ihre ersten Schritte hin zu seriösen Produktionen wie Tales from the Darkside: The Movie aus dem Jahr 1990. Sie hatte jetzt bessere Rollen, u. a. in dem Ensemble-Drama Short Cuts (Regie: Robert Altman). Eine Hauptrolle hatte sie dann in Vanya on 42nd street. Die kurzen Sequenzen, in denen sie in Auf der Flucht (1993) zu sehen war, veranlassten Regisseur Steven Spielberg, die Rolle der Paläontologin Dr. Sarah Harding in Vergessene Welt: Jurassic Park mit ihr zu besetzen.
Ihre erste grosse Hauptrolle spielte Julianne Moore 1995 in Todd Haynes sozialkritischem Independent-Film Safe. Ihre Darstellung einer vom Leben enttäuschten Hausfrau brachte ihr neben viel Kritikerlob und weiteren Rollenangeboten auch eine Nominierung für die Independent Spirit Awards 1996 ein. Danach spielte sie in mehreren Major- und Independent-Produktionen, etwa in der Liebeskomödie Nine Months mit Hugh Grant, die jedoch zu einem finanziellen Flop wurde. Moore beschrieb den Film nachträglich als "ziemlich furchtbare Erfahrung". Ausserdem erschien sie neben Sylvester Stallone und Antonio Banderas in Assassins - Die Killer sowie mit Anthony Hopkins in Mein Mann Picasso.
Durchbruch im Filmgeschäft
Den Durchbruch als Schauspielerin hatte Moore in der Zusammenarbeit mit Regisseur Paul Thomas Anderson, der sie für die Rolle der Amber Waves in seinem Film Boogie Nights auswählte. Der Part als drogensüchtige Pornodarstellerin, die um das Sorgerecht für ihr Kind kämpft, brachte Moore neben anderen Auszeichnungen eine erste Oscar- sowie eine Golden-Globe-Nominierung (jeweils als beste Nebendarstellerin) ein.
1998 spielte Moore in der Filmkomödie The Big Lebowski und in Gus Van Sants gleichnamigem Remake von Alfred Hitchcocks Thriller Psycho. Ein Jahr später konnte sie an vergangene Erfolge anknüpfen. Sie begann 1999 mit einer Rolle in der Komödie Cookie's Fortune - Aufruhr in Holly Springs, in Ein perfekter Ehemann und dem Liebesdrama Das Ende einer Affäre, einer Wiederverfilmung aus dem Jahr 1955, in dem sie neben Ralph Fiennes und Stephen Rea agiert. Für den Part der untreuen Ehegattin Sarah Miles wurde sie ein zweites Mal für den Oscar nominiert, nun als beste Hauptdarstellerin. Im Anschluss daran arbeitete sie wieder mit Paul Thomas Anderson zusammen und übernahm in seinem Film Magnolia die Rolle der tablettensüchtigen Ehegattin eines sterbenskranken Fernsehmoguls (gespielt von Jason Robards). Anderson verpflichtete Moore zuerst: "Sie kann immer das Tempo bestimmen, weil Schauspieler so konkurrenzbetont sind", so der Regisseur, der sie "explodieren" sehen wollte, was er von ihr zuvor noch nicht gesehen hatte.
In Hannibal, der Fortsetzung des Erfolgs-Thrillers Das Schweigen der Lämmer, agierte Moore als Jodie Fosters Nachfolgerin in der Rolle der FBI-Agentin Clarice Starling. Es folgten die Science-Fiction-Komödie Evolution und das Drama Schiffsmeldungen, in dem sie neben Oscar-Preisträger Kevin Spacey zu sehen war.
Höhepunkt ihrer Karriere
2003 erhielt sie mit Todd Haynes Drama Dem Himmel so fern und Stephen Daldrys Drama The Hours zwei Screen Actors Guild-Nominierungen als beste Haupt- bzw. Nebendarstellerin. In den Rollen der 50er-Jahre-Vorzeige-Hausfrau und Mutter Cathy Whitaker (Dem Himmel so fern) bzw. der Laura Brown (The Hours) wurde sie von Kritik und Publikum gefeiert. Auch bei der 75. Oscar-Verleihung im Kodak Theatre in Hollywood war Moore mit zwei Nominierungen vertreten, ging aber leer aus: Der Oscar für die beste Nebendarstellerin ging an Catherine Zeta-Jones (Chicago), der Hauptdarstellerinnen-Oscar an Nicole Kidman, Moores Filmpartnerin aus The Hours.
Nach einem Jahr Auszeit kam Julianne Moore 2004 mit drei neuen Filmen in die US-Kinos, unter anderem mit der Anwaltskomödie Laws of Attraction an der Seite von James-Bond-Darsteller Pierce Brosnan und dem Hit-Thriller Die Vergessenen (The Forgotten), in dem sie eine Mutter spielt, die verzweifelt versucht, mit dem Verschwinden ihres achtjährigen Sohnes fertig zu werden.
Daneben war Moore auch in Theaterproduktionen zu sehen. So stand sie unter anderem in einem Theater-Workshop für August Strindbergs Der Vater an der Seite von Hollywood-Star Al Pacino und in Wendy Wassersteins An American Daughter neben Meryl Streep auf der Bühne. Im November 2006 gab sie in der Uraufführung des Stückes The Vertical Hour von David Hare unter der Regie von Sam Mendes ihr Broadway-Debüt an der Seite von Bill Nighy. Die SZ urteilte, das Stück bediene "die Selbstgerechtigkeit liberaler New Yorker", und das Magazin The New Yorker nannte Moores Darstellung "flach". Die Daily News allerdings waren der Meinung, sie glänze in dem "überraschenden, berauschenden Stück", und der Daily Telegraph bezeichnete Moore als "brillant".
Erneutes Lob seitens der Kritiker brachte Moore 2009 ihre Darstellung einer geschiedenen Frau (und als Freundin von Colin Firth) in dem Drama A Single Man ein. Für das Spielfilmdebüt des amerikanischen Modeschöpfers Tom Ford bekam sie erneut eine Golden-Globe-Nominierung. Im Jahr 2010 konnte man sie in den deutschen Kinos in gleich vier Filmen bewundern: Nach A Single Man an der Seite von Liam Neeson in Atom Egoyans Chloe, zu dem die Süddeutsche Zeitung in einer Rezension befand, dass Moores "ausserordentliche Schönheit und souveräne Expression jede Szene beherrschen"; in einer Nebenrolle im starbesetzten Drama Pippa Lee von Rebecca Miller; und schliesslich in der für vier Oscars nominierten Komödie The Kids Are All Right neben Annette Bening und Mark Ruffalo. Dieser Film von Lisa Cholodenko brachte Moore ihre sechste Golden-Globe-Nominierung ein.
Zwischen 2009 und 2010 bekleidete Moore eine Gastrolle in der preisgekrönten US-amerikanischen Sitcom 30 Rock. 2011 folgte die Filmkomödie Crazy, Stupid, Love., in der Steve Carell als verlassener Ehemann zu sehen ist, der trotz erfolgreicher Nachhilfe beim Flirten über den Verlust seiner grossen Liebe (dargestellt von Moore) nicht hinwegkommt. 2012 arbeitete die Schauspielerin erneut für das US-amerikanische Fernsehen und stellte in Jay Roachs Film Game Change die US-amerikanische Politikerin Sarah Palin dar. Bis 2013 sollen fünf weitere Kinoprojekte folgen, darunter die Rolle der Mother Malkin in der Kinderbuchverfilmung The Seventh Son sowie der Part der Mutter in Kimberly Peirces Neuverfilmung des Horrorfilms Carrie mit Chloë Moretz in der Titelrolle.
Moore selbst beschreibt sich als eher ängstliche und leicht beeinflussbare Person: "Die Leute meinen immer zu mir: ‚Du bist so wagemutig.‘ Aber in der Schauspielerei fürchte ich mich vor nichts. Ich finde es einfach faszinierend, mich mit den Spielarten des menschlichen Verhaltens auseinanderzusetzen. Wir haben immer so eingefahrene Vorstellungen von Normalität. Aber es gibt Verhaltensweisen, die du dir in deinen verrücktesten Träumen nicht ausmalst, und die möchte ich erforschen. Deshalb finde ich auch psychologische Dramen viel interessanter als eine Geschichte über eine Expedition zum Nordpol. Es reicht schon, wenn jemand die Strasse überquert." Dennoch wechselte die Schauspielerin in der Vergangenheit immer wieder zwischen Hollywood- und Independent-Kino. "Nur im Independent-Sektor zu schwimmen, ist schwierig [...] Ein Box-Office-Erfolg gehört zur Karriere. Damit werden radikale Filme [...] erst möglich", so Moore im Gespräch mit dem film-dienst (2008). Sie wird heute vorwiegend mit der Darstellung schwermütiger Frauenfiguren beauftragt: "Irgendwie mache ich eine tolle Figur, wenn es den Menschen um mich herum nicht gut geht. [...] Und eben auch dass mein Leiden beinahe die Züge einer griechischen Tragödie annehmen würde."
Privatleben
In zweiter Ehe ist Julianne Moore seit August 2003 mit dem Regisseur Bart Freundlich verheiratet, den sie bei den Dreharbeiten zu Das Familiengeheimnis (1997) kennenlernte. Aus der Beziehung stammen ein Sohn (* 1997) und eine Tochter (* 2002). Die Familie lebt in New York. In erster Ehe war Moore mit ihrem Schauspielkollegen John Gould Rubin (1986-1995) verheiratet.
Im Oktober 2007 gab sie mit Freckleface Strawberry ihr Debüt als Kinderbuchautorin. Das Buch, zu dem sie die Texte beisteuerte, wurde 2009 unter dem Titel Sommersprossenfeuerkopf ins Deutsche übersetzt; inspiriert wurde es von ihrer eigenen Kindheit. Im April 2009 folgte das zweite Kinderbuch, Freckleface Strawberry and the Dodgeball Bully. Moore engagierte sich in der Vergangenheit darüber hinaus gegen die Politik George W. Bushs, sammelte Spenden für die Organisation Parenthood und sprach sich öffentlich für das Recht auf Schwangerschaftsabbruch sowie gegen den Jugendwahn Hollywoods aus. Zudem arbeitete sie als Fotomodel für Modelabels. 2011 wurde sie von der studentischen Theatergesellschaft Hasty Pudding der Harvard University mit dem "Woman of The Year Award" ausgezeichnet.
Die deutsche Synchronstimme von Julianne Moore wird von Petra Barthel oder Katharina Lopinski gesprochen.
[<<]Dieser Text basiert auf einem Artikel aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar. Bild: nicolas genin